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Predigt zum Dekanatskirchenmusiktag 2003 am 12. Okt. 2003 Dekanat
Rupertsberg, Bistum Trier von: Pfr. Wolfgang Schuhmacher Der Heilige Geist und die (Kirchen-) MusikHildegard von Bingen hat einmal gesagt: "Der
Teufel kann nicht singen!" Für Hildegard ist die Musik eine göttliche Gabe,
die dem Menschen hilft Gott zu loben. So sagt ihr eine Stimme aus der
lichtdurchstrahlten Luft: "Lobgesänge gebühren dem hehren Schöpfer
mit unermüdlicher Stimme des Herzens und des Mundes. Deshalb soll, wer immer Gott im Glauben erkennt, ihm
lobsingen, unablässig und getreu, und ihm jubeln in Hingabe ohne Aufhören."[1] Musik ist für uns Menschen eine Möglichkeit
Freude, Dank, Lob, Angst, Trauer und Hoffnung zum Ausdruck zu bringen. Sie
hilft dem Menschen in den unterschiedlichsten Situationen seines Lebens
vor Gott zu treten. Für mich sind Musik und Gesang fest mit meiner
persönlichen Spiritualität verbunden. Und wie das Wort Spiritutalität
schon sagt, steckt da ja bereits der spiritus sanctus, der Heilige Geist
mit drin. Ich habe in meinem
Leben schon oft erfahren, dass der heilige Geist in verschiedensten
Lebenssituationen mit am Werk war. Manchmal fast unmerklich, und manchmal
überdeutlich. Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, dann kann ich aus
eigener Erfahrung sagen, der hl. Geist wirkt auf vielfältige und auch auf
vielschichtige Weise. Gerade weil auch in vielen schönen und schwierigen
Situationen gerade auch im Gottesdienst (Beerdigungen/ Hochzeiten) die
Musik Freude und Trauer mitgetragen haben bin fest davon überzeugt, dass
hier Gottes Geist wirkt und gegenwärtig ist. Im Johannesevangelium erfahren wir, dass der heilige
Geist die Jünger alles lehrt. Er erinnert sie an die Worte Jesu und führt
sie in Wahrheit ein. Bei Johannes spielt das Wort eine große Rolle. So könnte
man vielleicht sagen, dass die mit dem Wort verbundene Musik, d.h. der
geistliche Gesang die Verkündigung der Wahrheit Christi in die Tiefe führt
und verstärkt.[2]
Vom Apostel Paulus erfahren wir: Gott schenkt sich uns Menschen in den Gaben des hl.
Geistes. Mitten in unserem irdischen Leben sind uns Gaben geschenkt, die
uns in den verschiedensten Lebenslagen helfen sollen. Paulus sagt uns,
dass unser Leib der Tempel Gottes, der Tempel des heiligen Geistes ist
(1Kor 6, 19f). Mit diesem Tempel dürfen wir Gott musikalisch und
rhythmisch loben. Schon für
die hl. Hildegard gehörte so auch der Tanz im Gottesdienst zu jedem Großen
Fest mit dazu. Bereits damals hatten einige Menschen in der Kirche damit
ihre Probleme. Wir sehen also nichts Neues kam in diesen Wochen in die
Presse. Sowohl nach lukanischem wie nach paulinischem
Zeugnis ist der heilige Geist, der Geist der Gemeinschaft der Glaubenden
in der Kirche. Er schenkt und
Menschen die Gaben, die wir je nach unseren Talenten in die Gemeinschaft
zum Nutzen aller und zum Lobe Gottes einbringen sollen. Für mich heißt, dass Menschen, die aus dem Geist
Gottes leben, sich einsetzen für eine gelingende Kommunikation, für Versöhnung,
Frieden und Gerechtigkeit. Menschen, die aus dem Geist Gottes leben lassen
sich nicht entmutigen, von Schwierigkeiten, die in der Kirche und
untereinander auftreten. Musik und hier besonders die Kirchenmusik kann uns
hier sehr hilfreich sein. Musik führt zur Gemeinschaft in Chören,
Orchestern und Gruppen. Hier lassen sich Menschen ein auf einen
gemeinsamen Rhythmus, auf ein gleiches Tempo. Hier lernen Menschen auf die
anderen zu hören, andere nicht durch Lautstärke zu übertrumpfen,
gemeinsam an einer Sache zu arbeiten und sich gemeinsam über das Ergebnis
zu freuen. Beim Musizieren lernen Menschen, das Freiheit letztlich nur
erfahren werden kann, wenn ich mich auf andere einlasse und ich mich nicht
nur auf mich selbst konzentriere. Hier erfahren Menschen etwas von dem,
was Jesus Christus uns
vorgelebt hat. Den Geist der Gemeinschaft und Solidarität. Im Glaubensbekenntnis bekennen wir, dass der
hl. Geist nicht identisch ist mit der Person Jesu Christi und mit Gott
Vater . Der hl. Geist ist die Kraft, die uns die Gotteserkenntnis schenkt
und er hilft uns in und mit Jesus Christus zu leben. Es heißt ja, der
Geist wirkt wie, wo und wann er will. Oft wirkt er unbewusst, ohne dass
wir es merken. Erst wenn wir innehalten spüren oder wissen wir: Hier war
Gottes Geist am Werk. Bei den
Propheten erfahren Menschen das Wirken des hl. Geistes auch durch Träume
und Visionen, aber auch mit Hilfe von Musik und Tanz. Das. heißt nichts
anders als: Musik kann uns helfen, dass wir offen werden für das Wirken
des hl. Geistes in unserem Leben. Sie
erschließt uns einen Zugang zur göttlichen Offenbarung, sie hilft uns
Gottes guten Schöpferwillen zu erkennen. Das kann immer und immer wieder
geschehen und zeigt uns ganz konkret, dass Gottes Geist hier und jetzt
wirkt. Und schließlich führt uns die Gabe des hl.
Geistes in die Freiheit der Kinder Gottes. So sagt es uns der hl. Paulus
im Römerbrief (Kap. 8) und im Brief an die Galater. Zwar findet diese Freiheit ihre Vollendung und letzte
Erfüllung erst im kommenden Reich Gottes. Aber sie bricht jetzt schon. Für mich heißt wir dürfen diese Freiheit jetzt
schon ganz konkret erleben in Erfahrungen, die auf uns befreiend wirken. Dort wo wir spielerisch das Leben entdecken, im
freien musikalischen Spiel, dort wo wir z.B. spielerisch Freude an der
Musik entwickeln, da können wir spirituelle von Gottes Geist geschenkte
Erfahrungen machen. Im zweckfreien musikalischen Spiel, dürfen wir
ausbrechen aus unserem alltäglichen funktionieren müssen. Hier dürfen
wir uns für eine begrenzte Zeit in eine andere Wirklichkeit mit anderen
Spielregeln versetzen. Hier gewinnen wir Kraft für den oft anstrengenden
Alltag. In fünffacher Weise wirkt der Hl. Geist also
durch Musik: ¨
Musik
verkündet das Evangelium ¨
Mit
Musik loben wir Gott mit allen Sinnen ¨
Musik
stützt die Gemeinschaft der Glaubenden ¨
Durch
Musik kann Gott auch unmittelbar zu uns sprechen ¨
und
schließlich spüren wir in der Musik schon heute spielerisch etwas vom
kommenden Reich Gottes. Ich könnte diese fünf Wirkungen der Musik aus
zusammenfassen in dem Satz, der persönlich schon lange begleitet: "Gottes Geist befreit zum Leben." Diese
Worte haben mir schon oft Hoffnung und Kraft geschenkt. Sie helfen mir
darauf zu vertrauen, dass Gottes Geist mich nie im Stich lässt. Ich wünsche Ihnen, und uns allen, dass Gottes Geist
uns in Rhythmen und Klängen stärken und beleben möge. Amen
Schlussvotum
mit Segen Das Lied, das wir gleich singen werden, hat
mich mit seinem Text besonders angesprochen: "Atme in mir, du heiliger Geist", heißt
es. Jeder der sich mit seinem Atem beschäftigt,
kann erfahren, wie bewusstes Atmen, belebt, entspannt und befreit und
Lebenskraft schenkt. Atme in mir du Heiliger Geist, dass ich Heiliges tue. Manchmal brauche ich in meinen Leben einen Ruck zum ersten oder zum nächsten
Schritt: Treibe mich du heiliger Geist, dass ich Heiliges tue. Manchmal bin ich lustlos oder auch wie gelähmt, dann
brauche ich schon mal einen
kräftigen Anreiz von Außen. Gott hat um sein Volk immer liebend
geworben: Locke mich, du heiliger Geist, dass ich heiliges Liebe. Unsere Zeit ist schnelllebig. Werte verschieben
sich, spielen oft keine Rolle mehr im Leben von Menschen. Stärke mich, du
Heiliger Geist, dass ich heiliges hüte, dass ich heiliges nimmer
verliere. Manchmal stehe ich mir selbst im Weg oder auch
anderen. Hüte mich, du Heiliger Geist. Hüte mich und alle anderen, dass wir die Zeit
nutzen, die uns geschenkt ist. So segne Euch der dreieinige Gott, Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen [1] DA berühren sich Himmel und Erde, Musik und Spiritualität, hrg, von Michael Fischer, Düsseldorf, 1998, 174. [2] Vgl. Peter Bubmann, von Mystik bis Extase, 19
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