Selbstreflexion ist Ausdruck von Professionalität

Podiumsdiskussion auf Fachtagung zur Pflegequalität im Erbacher Hof

Mainz. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Selbstreflexion im Beruf "ist in der Pflege inzwischen sehr weit verbreitet", sagte Dr. Silvia Käppeli, Leiterin des Zentrums für Entwicklung und Forschung in der Pflege am Universitätsspital Zürich, am Dienstag, 28. Oktober, im Erbacher Hof. Dies gehe in der Schweiz inzwischen soweit, dass seit der Kürzung von Mitteln für die Fortbildung vor zwei Jahren, "viele Pflegende diese Maßnahmen inzwischen privat bezahlen, weil sie wissen, dass dies für ihre Zukunft wichtig ist". Käppeli äußerte sich auf einer Podiumsdiskussion bei der Fachtagung "Welche Pflegequalität wollen wir uns leisten? Ethischer Anspruch in realen Bedingungen". Veranstaltet wird das Treffen am 28./29. Oktober von der Akademie des Bistums Mainz Erbacher Hof in Kooperation mit der Katholischen Fachhochschule Mainz, Fachbereich für Pflege und Gesundheit und dem dort ansässigen Institut für Fort- und Weiterbildung.

Staatsministerin Dr. Regina Görner, Sozialministerium Saarbrücken, bezeichnete die Selbstreflexion in der Pflege als Ausdruck ihrer Professionalität. "Ich kann mir keine Pflege mehr vorstellen, die sich nicht selbst reflektiert", sagte Görner. Daher sei es wichtig, "dass über Aus- und Weiterbildung entsprechende Voraussetzungen geschaffen werden, damit die Pflegekräfte ihre Aufgaben qualifiziert wahrnehmen können". Im Saarland werde gerade ein Zertifizierungsinstrument für ein Qualitätssiegel in Pflegeeinrichtungen geschaffen, denn es sei wichtig, dass man auch nach außen dokumentiere, was man leiste. Grundsätzlich setze sie aus ihren positiven Erfahrungen heraus jedoch auf den Prozess, "dass die Menschen in der Pflege Qualität zu ihrem eigenen Thema machen und sich diese Anforderungen selbst geben".

Dr. Gerald Gaß, Leiter der Abteilung Gesundheit des rheinland-pfälzischen Ministeriums für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit, erklärte, dass seitens des Landes Rheinland-Pfalz bisher kein Qualitätssiegel für die Pflege geplant sei. Er stimmte Görner zu, dass Pflegende ein Selbstverständnis entwickeln müssten, aus dem heraus sich Qualität entwickeln könne. Wichtig sei vor allem Transparenz für die Angehörigen im Sinne einer "Verbraucherberatung". Diese neutrale Beratung sei ein Teil der rheinland-pfälzischen Kampagne "Menschen pflegen", durch die sich Qualität für die unterschiedlichen Anforderungen in der Pflege durchsetzen könne.

"Nur ein motivierter Mensch ist auch bereit zu handeln", erklärte Pfarrer Wolfgang Schuhmacher, Münster-Sarsheim. Daher sei gerade die Selbstreflexion "ein wesentliches Stichwort für qualitätvolle Arbeit in der Pflege", sagte Schuhmacher, der einen Lehrauftrag für das Fach Ethik/Pflegeethik an der Katholischen Fachhochschule Mainz am Fachbereich Pflege innehat. Um einer Frustration durch beruflichen Druck entgegenzuwirken, müssten bereits in der Ausbildung Möglichkeiten zur Reflexion vorhanden sein. Neben der individualethischen Ebene müssten immer auch sozialethische und organisationsethische Aspekte mit berücksichtigt werden, sagte Schuhmacher. Pfarrerin Annette Bassler, SWR-Beauftragte der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau (EKHN) hatte die Moderation der Podiumsdiskussion übernommen.

Gesprächskreis für Heil- und Pflegeberufe mit Kardinal Lehmann geplant

Zu Beginn der Tagung hatte Akademiedirektor Dr. Peter Reifenberg die rund 250 Teilnehmer begrüßt. Er freue sich sehr über den großen Zuspruch zu der Tagung, auch wenn es dadurch aus Platzgründen nicht möglich gewesen sei, in die Fachhochschule als Tagungsort zu gehen, sagte Reifenberg. Außerdem dankte er dem rheinland-pfälzischen Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit sowie der Hochschulgesellschaft forum sociale Mainz für die finanzielle und personelle Unterstützung der Fachtagung. Reifenberg kündigte zudem an, dass für das kommende Jahr die Gründung eines Gesprächskreises mit Kardinal Karl Lehmann für Heil- und Pflegeberufe geplant sei. An der Bistumsakademie gibt es bereits einen Juristen-Kreis und das Forum Wirtschaft.

tob (MBN)