Ihre Natur- und Heilkunde

Um die medizinisch-heilkundlichen Werke zu beurteilen, muß man sie im Zusammenhang mit dem theologischen Weltbild sehen. Hildegard will nicht nur beschreiben, sondem immer die engen Seinzusammenhänge deutlich machen.

Ihr Denken ist ganzheitlich, d.h. sie sieht den Menschen, das Tier, die Pflanzen aus der einen Schöpfung Gottes hervorgehen. Alles ist eingefügt in den großen Heilsplan Gottes, in Seine Heilsordnung.

Die Heilkunde befaßt sich mit den Krankheiten des Menschen. Auch ihre Gesundheitslehre gründet in ihrem ganzheitlichen Denken. Die Heilkunde wird mit den drei Kapiteln eingeleitet, die das Universum betrachten: die Schöpfung der Welt, das Bau-Werk des Kosmos, die Weltelemente.

Woher hat sie ihre Sachkenntnis?
Nicht nur aus Begegnungen mit Kranken, die von nah und fern kamen und Rat erbaten, sondern auch aus eigener Erfahrung wußte Hildegard um das Befinden des kranken Menschen, seine Hilfsbedürftigkeit und um die Möglichkeit seiner Heilung.

Hildegard an Wibert von Gembloux:
"Durch Krankheit werde ich stark gehemmt und oft derart in schwere Schmerzen verstrickt, daß sie mich an den Rand des Todes bringen. Doch hat Gott mich bis jetzt immer wieder neu belebt."

Die Tatsache, daß Hildegard Benediktinerin war, gibt einen Hinweis für das Interesse an der Medizin. Es gehört zur Aufgabe der Benediktinerklöster, sich um erkrankte Mitbrüder und Laien zu kümmern.

In Frauenklöstem war die medizinische Versorgung schwierig. Hildegard machte sich deshalb in der Medizin kundig.
Hildegard verwendet keine medizinisch üblichen Fachwörter. Oft werden die Krankheiten nur sehr allgemein beschrieben. Sie wird oft mit dem Titel Ärztin versehen. Schauen wir jedoch näher in ihr Werk, so ist von den Ansätzen wissenschaftlicher Medizin nicht viel vorhanden. Ihre anatomischen Kenntnisse sind dürftig.

Die mittelalteriiche Betrachtungsweise ging über die rein naturwissenschaftlich orientierte Beurteilung weit hinaus. Es ging nicht um die chemische Zusammensetzung. Gerade die Pflanzen betrachtete man gerne als Spiegel und Gleichnis des Heilsgeschehens, der guten wie bösen Mächte. Im Grün der Kräuter tritt die "VIRIDITAS" sichtbar in Erscheinung.