Morgengrüße im SWF4

Ich dachte, Hildegard v. Bingen sei so ein altes Kräuterweiblein, meinte vor einiger Zeit eine Frau.

In der Tat - ist es auch häufig so, daß sie als Kräuterfrau und Naturheilerin vermarktet wird. Kurpavillions und Fortbildungsveranstaltungen der Frauengemeinschaften sind gut besucht, wenn die sogenannte Hildegard-Medizin vermittelt wird. Zum einen suchen die Menschen die alternative Medizin zur chemischen und Apparatemedizin. um anderen versprechen sie sich von der Klosterfrau die heilenden Kräfte, die ihr geheimnisvoll hinter Klostermauern aufgegangen sein könnten. Mehr als jede andere Information haben ihre Rezepte, Ratschläge und ihr Heilwissen Hildegard von Bingen weithin wieder bekannt gemacht. Was ist denn daran auszusetzen? Werden Sie jetzt fragen Hildegard würde ganz einfach so antworten wie sie es oft am Schluß von Rezepturen tut: ,,Gegen die Krankheiten wurden diese Heilmitten von Gott verordnet. Sie werden entweder den Menschen heilen, oder er wird sterben, oder Gott will nicht, daß er geheilt wird.

Entscheidend ist die Verankerung ihrer Heilkunde in ihrem Gottes- und Menschenbild. Der Mensch ist vernetzt und verästelt mit der gesamten Schöpfung. Dabei ist er eingesenkt in das Herz Gottes. Seine Entscheidungen wirken sich auf Mensch, Dinge und Welt aus. - Hildegards Ansatz der Behandlung von Krankheiten und heildender Maßnahmen ist ganzheitlich. Leib und Seele bedürfen der Heilung und nicht allein das kranke Organ. Hildegards Vorbild ist dabei Christus als Arzt und Heiland der Welt.

Ihr Buch des Heilwissens ist deshalb ein umfassendes Buch des Glaubens und des naturkundlichen Wissens. Es behandelt die Schöpfung der Welt und den Bau des Kosmos. Es sieht den gesunden und den kranken Körper. Ernährung, Verdauung und Stoffwechselstörungen. Es beschreibt Gemütsbewegungen und gibt Weisung für eine gesunde Lebensführung.

Der Mensch bedarf der göttlichen Gnade und der Mittel der Heilkunde.

Hildegard war selbst zeitlebens eine kränkliche Frau und wußte um den inneren Zusammenhang von psychischer und körperlicher Verfaßtheit. Ihre Kenntnisse beruhen auf eigener Erfahrung, auf dem Wissen mittelalterlicher Klostermedizun und ihren Beobachtungen. Sie losgelöst von Hildegards ganzheitlichem Ansatz anzuwenden ist habherzig und nicht ungefährlich. Ihre Vision von einer einheitlichen Schöpfung, einer kosmischen Ordnung, in deren Mitte der Mensch steht, ruft in diesem Werk auf, Gottes Schöpfung heilend forzuführen. Heilung meint: Wiederherstellung des Menschen, wie Gott ihn gemeint hat. Es heißt ganz und heil sein vor Gott. Hildegard sagt:" Auf dieser Welt hat er den Menschen mit allem umgeben und gestärkt und hat ihn mit großer Kraft rundum durchströmt, damit ihm die Schöpfung in allem bei stünde."


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