Morgengrüße im SWF4

Sprecher 11998 wird man in der kath. und auch in der evang. Kirche weltweit einer großen Frau gedenken: Hildegard von Bingen. Die Sendungen in dieser Woche werden sich mit ihr befassen: Heute mit ihrem Leben und Wirken.
Sprecher 2Das Jahr 1098 ist angebrochen. Die Burgen am Rhein und seinen Nebenflüssen sind bewohnt, auch an der Nahe. Die Menschen leben von dem, was Feld, Wiesen und Wald bieten. Ihr Tages- und Arbeitsrhytmus wird von den christlichen Lebensvollzügen bestimmt. Von einer Zeit des Umbruchs bekommen sie nicht viel mit, es sei denn, daß die Männer zu Kriegszügen aufbrechen oder auch zu Kreuzzügen ins Hl. Land. Bernhard von Clairveaux ruft sie dazu auf. Auf der Bühne der Welt geht es wie fast immer um Macht und Vorrangstellung, damals zwischen Papst und Kaiser.
Sprecher 11098 - in einem kleinen rheinhessischen Dorf, in Bermersheim, in der Nähe der heutigen Kreisstadt Alzey, wird Hildegard geboren. Sie ist das 10. Kind des Hildebert von Bermersheim und der Mechthild von Merxheim.
Sprecher 2Von ihrer Kindheit wissen wir so viel, daß sie schon mit 8 Jahren auf dem Disibodenberg zu ihrer Tante Jutta von Sponheim gebracht wird. Der Disibodenberg liegt am Zusammenfluß von Nahe und Glan bei Odernheim und Staudernheim. Dort befindet sich ein Mönchskloster, dem eine Frauenklause angeschlossen ist. Jutta, Hildegards Tante, leitet die Gemeinschaft und lehrt sie das Lesen und Schreiben, die lateinische Sprache und den Gesang der Psalmen.
Sprecher 1Hildegard lebt 44 Jahre lang auf diesem Berg und wird nach Juttas Tod die Meisterin und geistliche Mutter ihrer Mitschwestern. In dieser Zeit auf dem Disibodenberg beginnt Hildegard mit ihrem ersten großen Buch Sci Vias.
Sprecher 2Sie korrospondiert mit dem Abt Bernhard von Clairveaux und darüber hinaus mit Menschen, die Rat und Hilfe suchen,
Sprecher 1auch mit Äbten, mit Papst und Kaiser.
Sprecher 2Papst Eugen III bestätigt sie als Prophetin auf der Synode von Trier 1147/48.
Sprecher 1Von ihren Briefen sind uns mehr als 300 bekannt.
Sprecher 2Da wir gerade von ihrem Werk sprechen: Sie verfaßte und komponierte 77 Lieder und ein Singspiel.
Sprecher 1Ein natur- und heilkundliches Buch wird ihr zugeschrieben.
Sprecher 2Vor allem aber verfaßte sie drei große Visionsbücher, das schon genannte Buch „Sci Vias“, dann das Buch „Von der Lebensvergeltung“ und das Buch „Von den Gotteswerken“.
Sprecher 1Zu ihrer Begabung als Visionärin muß man sagen, daß sie nicht die Zukunft voraussagte wie Hellseher, sondern ihre Prophetien sind Glaubensverkündigung. Hildegard wird von Gott selbst ins Wort genommen und zu seiner Botin.
Sprecher 2Das fiel ihr nicht leicht. Ein Leben lang wehrte sie sich dagegen und war eine kränkliche Frau, weil sie diese innere Spannung körperlich nur schwer verkraftete.
Sprecher 1Nochmal zurück zu ihrem Lebensweg: 1150 verläßt sie mit ihrem Schwesternkonvent den Disibodenberg und gründet ein neues Kloster an der Nahemündung in Rupertsberg, dem heutigen Bingerbrück. Ein zweites Kloster entsteht über dem Rhein bei Rüdesheim, Eibingen. Sie wird zur guten Mutter ihrer Schwestern, zur klugen Ratgeberin für viele Menschen in weiten Teilen Europas. Sie predigt in Domen und auf Marktplätzen.
Sprecher 281 jährig stirbt sie am 17. September 1179. Ihre Gebeine ruhen in der Pfarrkirche von Eibingen. Die Schwestern der Benediktinerinnenabtei St. Hildegard über Rüdesheim am Rhein (und die Pfarrgemeinden an den Stätten ihres Wirkens) hüten das geistliche Erbe dieser großen Frau.

Kontaktadresse: Kath. Pfarramt Münster-Sarmsheim,
Kirchstr. 5,
55424 Münster-Sarmsheim,
Di-Fr. von 9-11 Uhr,
Tel.: 06721--43093,
Fax: 06721--995111