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Aus den Gebeten der
heiligen Hildegard
Gott, liebender
Helfer zum Guten
Mein Gott, du hast mich geschaffen,
ich lebe durch dich und trachte nach dir,
wenn ich mit Seufzen das Gute erflehe.
Ich kenne dich ja als
meinen Gott
und weiß nur, daß ich dir dienen darf,
denn du hast mir Einsicht gegeben.
O du mein Helfer bei
allem Guten,
durch dich vollbringe ich gute Werke.
Auf dich will ich all meine Hoffnung werfen
und mich bekleiden mit deiner Huld.
Lob der
Schöpfung
O wahrer Gott, welch
große Geheimnisse
hast du in deinen Geschöpfen gestaltet und
dem Menschen, deinem großen Kunstwerk, untergeordnet.
Du hast die Kräfte
deiner Allmacht schöpferisch entsandt;
du hast das herrliche Dach mit seinen Fenstern,
das Firmament mit seinen Leuchten, geschaffen.
An ihm hast du die Sonne
festgemacht,
die mit ihrem Licht alles über der Erde
und unter der Erde erleuchtet.
Ihr sind die übrigen
Leuchten verbunden,
und wie diese durch die Sonne leuchten,
so gehorchen dir alle Geschöpfe.
In dir und durch dich
leben sie alle.
Durch deine Liebe ist alles geschaffen;
denn du, ewiger Gott, bist die wahre Liebe.
Wort des Vaters
O Wort des Vaters,
Licht Du der frühen Morgenröte,
Du ruhest im Kreisen des Rades,
da Du rundum am Werk bist in göttlicher Macht.
Du, im vorausschauenden
Geiste der Gottheit,
hast all Deine Werke zuvor schon erschaut,
so wie Du sie gewollt.
Inmitten Deiner Macht lag verborgen
all Dein Wissen vor aller Zeit.
Und so bist Du am Werk:
gleichsam im Bild eines Rades,
das alles umkreist,
das weder den Ursprung kennt
noch auf ein Ende hin weist."
Urkraft aus
Ewigkeit
O Urkraft aus
Ewigkeit -:
Geordnet hast Du in Deinem Herzen das All.
Alle die Dinge der Welt,
so wie sie da sind, wie Du sie gewollt,
Du hast sie geschaffen,
aus Deinem Wort."
Das lebendige Getier im Wasser und am Himmel,
Du hast es geschaffen.
Nach deinem Bilde hast Du geformt den Menschen,
als Mann und Frau.
Werk aus Gottes
Hand"
- o Mensch du -
erschaffen in hoher Heiligkeit,
da die Gottheit, die heilige,
in ihrer Demut die Himmel durchdrang.
O wie so groß ist die Güte:
daß der Gottheit Leuchten
nun aufstrahlt im irdischen Urstoff -
daß da die Engel,
die dienen in Gott,
erschaun die Menschlichkeit Gottes!"
Wege zum Licht
Zwei Augen hast du, o
Gott, mir gegeben,
im Dunkeln ein herrliches Licht zu schauen,
zu wählen den Weg, den ich gehen soll.
Bin ich nun sehend oder auch blind,
ich weiß, daß ich einen Führer brauche
zum Tage hin und auch zur Nacht.
Wenn ich mich im
Finstern verberge,
kann ich auch Dunkles tun;
im Licht aber werde ich gesehen
und zieh statt Belohnung mir Strafe zu,
wenn ich es tue.
Lebendiger Gott, ich
rufe dich an,
führ mich den Weg des Lichts
und heile meine bösen Geschwüre,
damit ich am Tage mich nicht schämen muß;
zerreiße die Stricke meiner Gefangenschaft!
Der barmherzige
Gott
O Herr, ich erkenne
deine Güte:
Ich ward nicht getötet ob meiner Sünden,
du ließest mir meine Freiheit.
Und im Kampf gegen mich selbst
vollbringe ich Gutes.
Du urteilst stets
gerecht
und überschreitest nie das Maß.
Du schonst mich barmherzig in deiner Macht.
Ich neige mich deshalb vor dir
und gebe die Ehre deinem Namen
um deiner Barmherzigkeit willen.
Schmerzliche
Pilgerschaft
Ich irre umher im
Schatten des Todes
als Pilger im fremden Land; mein Trost ist das Ziel der
Wanderschaft.
Wo bin ich, wie kam ich hierher?
Wer tröstet mich in der Gefangenschaft?
Wie kann ich diese Ketten zerreißen?
Wer schaut wohl nach meinen Wunden
wer salbt sie mit Öl und erbarmt sich?
0 Himmel, erhöre mein Rufen,
du Erde bebe vor Trauer mit mir!
Ein Fremdling bin ich ohn Trost und Hilfe.
Klagegebet
Vater, ich habe gesündigt
gegen den Himmel und gegen mich,
das himmlische Werk, das ich bin.
Von dir gebildet, berührt von dir,
hätte ich himmlisches wirken müssen.
Doch weil ich zerstörte die Menschennatur,
sündigte ich auch vor dir.
Selbstverschuldet ist mein Verderben,
ich bin nicht mehr würdig,
dein Kind zu heißen,
weil ich deine Schöpfung in mir
ihrem von dir gesetzten Ziele
eigenmächtig entfremdet habe."
Du Tröster
Geist
O Feuer-Geist,
Du Tröster Geist,
Du lebst in allem, was lebt.
Heilig bist Du, der Du Lebendiges bildest.
Heilig bist Du: Du heilest, was da gebrechlich
oder im Elend. Du salbst die Verletzten.
Heilig bist Du: Du hast gewaschen die schwärenden Wunden
-:
O Geisthauch voll Heil
und Heiligkeit!
O Feuerbrand der Liebe!
O Lust des Herzens
und Herzenserguß im süßen Dufte der Tugend!
O Quell der Lauterkeit,
in dem sich spiegelt,
wie Gott das Fremde sammelt
und heimholt, was noch verloren.
O Schutzwehr des Lebens,
Du läßt alle Glieder hoffen auf Einung.
Du, o Gürtel der Würde,
heilige und heile die Seligen!
Sei Schutz und Schirm
für alle, die der Feind gefangen,
mach frei, die noch in Fesseln bangen!
Will Gottes Huld doch das Heil
und nichts als das Heil!
O Feuer-Geist,
Du Tröster Geist,
Du lebst in allem, was lebt.
Lob sei dir! - Amen
O heilsamer Weg
O heilsamer Weg,
der kraftvoll sich Bahn bricht!
Alles durchdringst Du:
die Höhen, die Tiefen, den Abgrund-
Du fügest und bindest alles in eins!
Durch Dich wogen die Wolken, wehen auf die Lüfte -
die Steine träufeln vom Saft,
Quellen sprudeln hervor,
durch dich quillt aus Erden das erfrischende Grün.
Darum sei Lob Dir, Du Klang allen Lobens,
Du Freude des Lebens
voll Hoffnung und Kraft,
voll des Rühmens,
da Du uns schenkest die Gaben des Lichts!
Wege zum Heil
Lehre mich, Gott, im
Heiligen Geist
deine Wege zu gehn,
zu empfangen die Speise des Lebens,
die du den Gläubigen reichst
zur Erwählung und Heiligung.
In die höchste Glückseligkeit
nimm mich dann gütig auf,
laß mich ruhen in deinem Schoß.
Sehnsucht nach
dem Himmel
Im Himmel ist meine Heimat,
dort begegne ich auch den Geschöpfen;
Gottes Liebe ist mein Verlangen,
den Turm der Sehnsucht will ich errichten.
Was du, Gott, willst,
das will ich tun.
Mit den Flügeln des guten Willens
fliege ich über des Himmels Gestirne,
um deinen Willen zu tun.
Nichts mehr bleibt mir
zu suchen und zu wünschen,
ich sehne mich nur noch nach Dir.
Laß mich, o Gott, dein Saitenspiel sein
und der Zitherklang deiner Liebe.
Himmlisches
Glück
Wenn ich mit offenen
Augen betrachte,
was du, mein Gott, geschaffen hast,
besitze ich hier schon den Himmel.
Ruhig sammle ich im
Schoß
Rosen und Lilien und alles Grün,
während ich deine Werke preise.
Lob der Weisheit
O Kraft der Weisheit,
du zogst deine Bahn
umfingst das All
auf dem einzigen Weg,
der zum Leben führt.
Drei Kräfte hast du, Flügeln gleich:
Zur Höhe empor schwingt sich kraftvoll der eine,
von der Erde her müht sich der zweite,
und allüberall schwingt der dritte.
Lob sei dir, Weisheit,
würdig bist du allen Lobes!
Gottes
Vorausschau
Wie wunderbar ist doch
das Wissen im Herzen der Gottheit,
das von Ewigkeit her jedes Geschöpf hat erschaut.
Denn Gott, da er blickte ins Antlitz des Menschen,
den er gebildet,
er sah all sein Werk
in dieser Menschengestalt.
Wie wunderbar ist dieser Hauch,
der also den Menschen erweckte.
An Maria
O lichte Mutter der
heiligen Heilkunst,
durch deinen heiligen Sohn hast Salböl du gegossen
in Wund und Wehe des Todes.
Den Tod hast du vernichtet
und aufgebaut das Leben.
Bitt deinen Sohn für uns,
du Meeresstern, Maria!
Mittlerin des Lebens und
Freude voll Glanz,
Köstlichkeit jeglicher Wonnen,
die allzeit dir eigen.
Bitte deinen Sohn für uns,
du Meeresstern, Maria!
Dem Vater sei die Ehre,
dem Sohn
und dem Heiligen Geist.
Der Heilige
Geist
Der Heilige Geist ist
lebensspendendes Leben,
Beweger des Alls und Wurzel allen geschaffenen Seins,
er reinigt das All von Unlauterkeit,
er tilgt die Schuld und salbt die Wunden,
so ist er leuchtendes Leben, würdig des Lobes,
auferweckend und wiedererweckend das All.
Die Liebe
Von der Tiefe bis hoch
zu den Sternen
überflutet die Liebe das All,
sie ist liebend zugetan allem,
da sie dem König, dem höchsten,
den Friedenskuß gab.
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