Ihre Berufung - Kloster Disibodenberg

Am Zusammenfluß von Nahe und Glan, etwa 17 km von Bad Kreuznach liegt der Disibodenberg. Seine besondere Anziehungskraft mag schon die Kelten veranlaßt haben, hier eine Kultstätte zu errichten. Irische Mönche christianisierten um 640 - 700 n.Chr. das Land und ließen sich auf dem Berg nieder. Es entstand dort eine klösterliche Gemeinschaft um den irischen Mönch und Einsiedler Disibod.

975 gründete Erzbischof Willigis von Mainz ein Stift für 12 Kanoniker, das vor 1089 von Erzbischof. Ruthard wieder als Benediktinerkloster belebt wurde.
1106 richtete Jutta von Sponheim eine Frauenklause für 16 Mädchen ein, in die sie u. a. Hildegard von Bermersheim aufnahm.
1108 wurde die Klosteranlage wieder neu gebaut.

Hildegard beschreibt in ihrer Vita, wie sie von ihrem Fenster aus die Errichtung der dreischiffigen Basilika beobachten konnte, welche in ihren Ausmaßen fast dem Mainzer Dom entspricht.

Im Alter von acht Jahren kam Hildegard in die Klause auf dem Disibodenberg. Dort wurde sie durch Meisterin Jutta von Spanheim für das geistliche Leben erzogen. Gemeinsam mit ihren Gefährtinnen wurde sie in Psalmengesang, Bibellesen, in der Liturgik und in der Ordensregel des hl. Benedikt unterrichtet. Der Mönch Volmar, ihr späterer Sekretär, erweiterte den Unterricht z.B. in Latein und Grammatik.

Der Biograph Wibert von Gembloux hat die Einschließung auf dem Disibodenberg festgehalten.

Mit 16 Jahren entschied sich Hildegard für das Leben im Kloster nach der Benediktusregel. Sie legte die monastischen Gelübde ab und empfing vom hl. Otto, Bischof von Bamberg, den Ordensschleier. Otto vertrat in der Zeit (von 1112-1115) den Erzbischof von Mainz,

Als die Meisterin Jutta 1136 starb, wurde Hildegard zur geistlichen Mutter der Gemeinschaft gewählt. Sie war 38 Jahre alt.

Das Leben in einer Klause im Hochmittelalter aus Monika zu Eltz, ,,Hildegard“, Freiburg 1963
... Nach dieser sollte einer Klausnerin erst nach mehrjähriger Erprobung in einem Kloster zum Einsiedlerleben zugelassen werden, und auch dann noch Probezeiten zu bestehen haben. Zeige sie sich aber standhaft, so errichte man ihr eine Klause, 12 Fuß in der Länge und Breite, die mit Chörchen oder Kapelle an die Klosterkirche anstoße und dorthin ein Fenster habe. Dazu kommen zwei weitere Fenster, eines vergittert nach der Außenwelt, eines, durch das Luft und Licht hereinkommt, auch alles Notwendige gereicht oder herausgegeben wird. Auch soll man ein Gärtchen anlegen, in dem Kohl angebaut wird und in dem die Klausnerin sich ergehen kann, denn ,,viel nützt es ihr, an die Luft zu kommen.“ Sind mehrere Bewohnerinnen beisammen, so dürfen weitere Zellen angefügt werden. Die Einrichtung ist denkber einfach: eine Schüssel, ein Napf, ein Krug, Unterbett, Kopfkissen, das ist alles. Die Türe aber, durch die die Incluse eingetreten war, wird hinter ihr mit Steinen und Balken verschlossen und vermauert, und zwar für immer. Unter Strafe der Exkommunikation darf die Klausnerin, die einmal das große Opfer gebracht und die Weihe empfangen hat, ihre Zelle nicht mehr verlassen, es sei denn, daß äußere Umstände, wie Brand, Umbauten oder eine Neugründung, sie dazu zwingen.