
Ihr Briefwechsel
Seitdem 1965 durch die quellenkritischen Untersuchungen der Abtei Eibingen die Echtheit des Hildegardischen Schriftums nachgewiesen ist, stehen uns rund dreihundert Hildegard-Briefe zur Verfügung. Weitere Forschungen sind im Gang.
Hildegard hat ihre Briefe - wie ihre anderen Schriften - in lateinischer Sprache abgefaßt. Ihre Lehrbücher waren vor allem Bibel, Brevier und Väterlesung. Die vorliegenden Übersetzungen wurden nach den ältesten Handschriften vorgenommen, die zum großen Teil der Rupertsberger Schreibstube zur Zeit der hl. Hildegard entstammen. Nach Sitte der Zeit fehlen in all ihren Briefen die Jahresangabe, der Name des Ausstellungsortes und in vielen Fällen sogar der Name des Adressaten. Sofern es sich um kirchliche Würdenträger handelt, läßt sich das Datum der Briefe in etwa feststellen. Eine Anzahl von Empfängern bleibt unbekannt.
Der Korrespondentenkreis hat ein erstaunliches Ausmaß. Er umfaßt den größten Teil des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" und erstreckt sich über Deutschland und England, die Niederlande und Frankreich, Elsaß-Lothringen und die Schweiz bis nach Italien und Griechenland.
Namen von höchstem Rang aus dem geistlichen und weltlichen Stand finden sich unter den Empfängern. Gerade die Schreiben an die Großen von Kirche und Reich bezeugen Hildegards Klugheit, ihren Mut und den Reichtum ihres Geistes.
Die Gegenbriefe von Papst und Kaiser und die Schreiben der Bischöfe an Hildegard stellen das Ansehen, die Bewundeung und Verehrung, die die höchsten Persönlichkeiten Hildegard entgegenbrachten, in hellstes Licht. (Adelgundis Führkötter OSB)
Viele ihrer Briefe richten sich an Klöster, die in schwierigen Situationen um den Rat der Abtissin baten. Da sie durch die Reisen viele Klöster persönlich kannte, war es ihr möglich, zur Lösung der Probleme beizutragen.