Papst: „Von Hildegard lernen, die Zeichen der Zeit zu deuten“ (1. Sept.
2010)

Audio:
Papst Benedikt XVI.
Mit der heiligen Hildegard von Bingen
erinnerte Papst Benedikt XVI. in der Generalaudienz an die Rolle der
Frauen in der Kirche. Er schloss sich dem apostolischen Schreiben
Johannes Pauls II. „Mulieris dignitatem“ aus dem Jahr 1988 an.
„Die Kirche sagt Dank für alle Äußerungen des weiblichen „Geistes“,
die sich im Laufe der Geschichte bei allen Völkern und Nationen gezeigt
haben; sie sagt Dank für alle Gnadengaben, mit denen der Heilige Geist
die Frauen in der Geschichte des Gottesvolkes beschenkt hat.“
Als Beispiel für diesen weiblichen Geist führte der Papst in seiner
Katechese die heilige Hildegard von Bingen an, die im 12. Jahrhundert
Äbtissin des von ihr gegründeten Klosters Sankt Rupert war. Sie war
sowohl geistlich als auch in ihren organisatorischen Fähigkeiten
herausragend. Über ihre mystischen Visionen tauschte sie sich unter
anderem mit dem heiligen Bernhard und Papst Eugen III. aus: Sie wollte
mit ihnen gemeinsam herausfinden, ob ihre Visionen von Gott seien oder
Versuchungen.
„Von diesem Moment an wuchsen ihre geistlichen Erfahrungen an, bis
dahin, dass die Zeitgenossen ihr den Titel der „deutschen Prophetin“
gaben. Sie spricht mit großer Aktualität auch zu uns, mit ihrem mutigen
Erkennen der Zeichen der Zeit, mit ihrer Liebe für das Geschaffene, mit
ihrer Medizin, mit ihrer Poesie und ihrer Musik, mit ihrer Liebe zu
Christus und seiner Kirche, einer Kirche, die auch damals litt, die auch
damals verwundet war, verwundet von den Sünden der Priester und der
Laien.“
Dieses Erkennen und Deuten der Zeichen der Zeit sei es vor allem, was
für uns heute zähle. Sie scheute sich nicht, die Menschen ihrer Zeit –
auch Bischöfe und Fürsten – zu einem ernsthaften
Leben in der Nachfolge Christi zu ermahnen.
(Quelle: Radio Vatikan,01/09/2010
11.39.08)
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08/09/2010 12.30.49



Generalaudienz: „Kirche braucht Frauen wie Hildegard“ (8. September
2010)

Audio: Papst Benedikt
XVI.
Mit dem Hubschrauber flog der Papst in wenigen Minuten von seiner
Sommerresidenz in Castelgandolfo direkt zum Vatikan: Es ist Mittwoch,
und das ist der traditionelle Generalaudienz-Tag – diesmal eben nicht in
den Albaner Bergen sondern in der Audienzhalle im Vatikan. Mehrere
Tausend Pilgern und Besucher aus der ganzen Welt waren wieder dabei. Der
Papst machte in seiner Mittwochskatechese dort weiter, wo er letzte
Woche aufgehört hatte: Er sprach über das Leben der heiligen Hildegard
von Bingen. Diesmal ging es um ihre spirituellen Fähigkeiten. Papst
Benedikt:
„Sie wurde die Vorsteherin ihrer Klostergemeinschaft, wirkte darüber
hinaus aber auch als Bußpredigerin und als Beraterin von geistlichen und
weltlichen Größen. Aus ihrer Fähigkeit zur mystischen Schau heraus hat
Hildegard zahlreiche Schriften verfasst. Ihr bekanntestes Werk Scivias –
das heißt: „Wisse die Wege“ – stellt in einer Reihe von Visionen die
gesamte Heilsgeschichte von der Schöpfung bis zum Jüngsten Gericht dar.
Alles Irdische ist Zeichen für eine übernatürliche Wirklichkeit. Die
ganze Schöpfung weist auf den dreifaltigen Gott hin. Sie ist eine
Symphonie des Heiligen Geistes, sagt sie, der selber Freude und Jubel
ist.“
Die heilige Hildegard hatte ein Kirchenbild, das von aktiv teilnehmenden
Gläubigen ausging. Ein anderer Schwerpunkt ihres Denkens sei die Natur
gewesen, so der Papst:
„Hildegard hat aus ihrer Sicht der Schöpfung von Gott her auch die
Gaben der Schöpfung zu deuten gewusst. In der Schöpfung sah sie eine
Apotheke Gottes; sie hat sie zur Medizin entwickelt, die heute neues
Interesse findet. Sie hat aber auch Musik geschaffen, die heute wieder
rekonstruiert wird. Sie war poetisch. Vor allen Dingen war sie eine
große Frau, die sowohl zu den einfachen Menschen von Gott zu sprechen
vermochte als auch gegen die Mächtigen furchtlos war – sie verkündete
das Wesentliche und rief sie auf den richtigen Weg. Wir sind dankbar,
dass Gott der Kirche solche Frauen geschenkt hat. Und wir vertrauen
darauf, dass er auch in unserer Zeit solche Frauen der Kirche wieder neu
schenkt.“
Der Papst grüsste dann auch alle deutschsprachigen Pilger und Besucher…
(Quelle: Radio Vatikan, 8. 09. 2010) |